Wirtschaft und Ethik: Vom Nutzen der Ungleichheit der Menschen

Über die Grundlage des friedlichen Zusammenlebens

Von Jörg Guido Hülsmann

Das Thema der Einkommens- und Vermögensunterschiede stand immer schon im Mittelpunkt der Volkswirtschaftslehre. Warum sind bestimmte Personen, Gruppen und Völker relativ wohlhabend und andere relativ arm? Welche Rückwirkungen ergeben sich daraus für das gesellschaftliche Zusammenleben? Wie sind diese Unterschiede aus moralischer Sicht zu bewerten? Sollten sie berichtigt werden? Wie?

Für die Leser dieser Zeitschrift ist es kein Geheimnis, dass staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsleben eine wichtige Ursache der kollektiven Verarmung sind. Ebenso gut bekannt ist, dass sie die Gesellschaft in zwei Klassen teilen: Staatsgewinner und Staatsverlierer. Diese Probleme werden in den nächsten Jahren infolge der verfehlten Euro-Rettungspolitik und der kopflosen politischen Integration Europas immer erdrückender werden. Es ist möglich, dass sie zu bitteren Verteilungskonflikten in Deutschland und in der EU führen. Es ist daher vielleicht hilfreich, sich hier vorab ein wenig gedankliche Klarheit zu verschaffen. Mit unserer heutigen Kolumne wollen wir damit beginnen.

Wirtschaftliche Ungleichheit – die Verschiedenheit der Einkommen und der Vermögen – wird zumeist als problematisch angesehen. Sie widerspricht ganz offensichtlich dem kommunistischen beziehungsweise sozialistischen Gleichheitsideal. Aber sie widerspricht auch dem sozialdemokratischen Gerechtigkeitsideal, demzufolge alle Bürger die gleichen „Chancen“ im Leben haben sollten. Dieses Sollen lässt sich ohne staatliche Eingriffe nicht verwirklichen. Wirtschaftliche Gleichheit ist kein natürlicher Zustand. Er muss künstlich – gewaltsam – herbeigeführt werden. Denn sonst kommen immer wieder die natürlichen Verschiedenheiten zum Tragen: die Unterschiede der geistigen und körperlichen Gaben, die Unterschiede der Geburt (Geschlecht, Lebensalter, Gesundheitszustand, Familienbande, Kultur, Region, Zeitalter) und die Leistungsunterschiede, die sich daraus ergeben, dass die einen ihre Chancen nutzen, während die anderen sie verstreichen lassen.

Die sozialdemokratische Sicht der Dinge wird heute praktisch kaum noch hinterfragt. Es versteht sich scheinbar von selbst, dass nur solche Unterschiede, die auf verschiedene Leistungen zurückgehen, moralisch hinnehmbar sind. Dagegen sollten sowohl die Unterschiede der Geburt als auch die Unterschiede der Gaben nach allgemeiner Auffassung durch eine staatliche „Sozialpolitik“ (Umverteilung, Krippenzwang für Kleinkinder und vieles mehr) möglichst ausgebügelt werden.

Einen ganz anderen Blickwinkel gestattet uns die ökonomische Theorie und insbesondere die Lehre von der Arbeitsteilung. Sie zeigt, dass die materiellen Vorteile, die sich aus der Spezialisierung ergeben, einzig und allein dadurch möglich sind, dass die beteiligten Menschen ungleich sind. Zwei Klone können sich gemeinsam (oder jeder für sich) auf den Kopf stellen, aber es wird ihnen nicht gelingen, eine Arbeitsteilung auf die Beine zu stellen, die den gesamtwirtschaftlichen Ertrag erhöht. Dieser kann nur dann vergrößert werden, wenn die beteiligten Menschen irgendwie unterschiedlich sind. Der springende Punkt liegt darin, dass es zunächst einmal keine Rolle spielt, woher die betreffenden Unterschiede entspringen. Sie können sehr wohl dem Leistungswillen der Einzelnen zuzuschreiben sein. Aber die Unterschiede der Geburt und der persönlichen Gaben tun es auch – und vielleicht sogar noch besser.

Nun ist die Arbeitsteilung aber die Grundlage des gesellschaftlichen Lebens überhaupt. Ohne die materiellen Vorteile, die sich aus der friedlichen Zusammenarbeit ergeben, bestünde für die Einzelnen kein besonderer Anlass, sich den Zwängen der gesellschaftlichen Rücksichtsnahmen zu unterwerfen. Ganz im Gegenteil bestünden dann starke Anreize, andere Menschen als Beutetiere anzusehen und auch so zu behandeln. Statt mit ihnen zu kooperieren, würde man sie berauben oder versklaven. Doch die materiellen Vorteile der Arbeitsteilung beflügeln den Willen zur Integration in die Gesellschaft. Sie motivieren zur Friedfertigkeit, Rücksichtnahme und Anteilnahme – auch dort, wo der christliche Geist nicht Pate steht. Ludwig von Mises nannte diesen Zusammenhang ein „Vergesellschaftungsgesetz“. Aber nicht nur er, sondern praktisch alle großen Denker des westlichen Kulturkreises von Platon über den heiligen Thomas bis zu Adam Smith und David Ricardo sind zu diesem Schluss gelangt.

Aus dieser grundlegenden Tatsache ergibt sich eine sehr interessante Folgerung: Künstliche Gleichheit zerstört die Gesellschaft. Indem der Staat sich anschickt, die natürlichen Unterschiede auszugleichen, zerstört er die materiellen Gründe, aus denen Menschen die friedliche Zusammenarbeit suchen. Je gleicher die Mitglieder einer Gesellschaft sind, desto weniger sind sie willens und fähig, überhaupt eine Gesellschaft zu bilden.

http://ef-magazin.de

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